Saisonvorschau 2014 – Seattle Seahawks

UPDATE 1: Practice Squad vorerst vollständig Link

UPDATE 2: Bryan Walters wurde re-signed, Phil Bates released. Link

UPDATE 3: Phil Bates wieder da (achter Receiver im 53er-Kader), Lemuel Jeanpierre verletzt auf die IR-Liste. Link


Die dominante Vorstellung der Seahawks im Super Bowl XLVIII gegen die Denver Broncos haben wir alle noch gut in Erinnerung. Die Konstellation des Endspiels im MetLife Stadium wird es im kommenden Februar wieder geben. Zumindest, wenn es nach einer Computersimulation geht, die kürzlich prophezeite, dass wir im Super Bowl XLIX in Glendale, Arizona ein Rematch sehen werden – diesmal mit dem besseren Ende für Peyton Mannings Truppe.

Direkt wieder in den Super Bowl, dagegen hätte bei den Seahawks niemand etwas. Ganz im Gegenteil. Intensiv wurde in der Offseason daran gearbeitet, das Grundgerüst des Super Bowl-Champions zusammenzuhalten. Mit Erfolg. Die Salary Cap wurde ausgereizt und drei Defensiv-Playmaker mit hochdotierten Langzeitverträgen ausgestattet.

Hinzu kommen noch mehr Speed, ein rechtzeitig zahm gewordenes Beast und ein Quarterback, der schon wieder gebetsmühlenartig alte und neue Erfolgsformeln herunterleiert.

Die Feierlichkeiten bei den Seattle Seahawks sind (fast) abgeschlossen. Der Hunger scheint wieder groß zu sein. Selten waren die Voraussetzungen für eine Titelverteidigung besser.


Offense

Ganz so gut sah es zu Beginn der Vorbereitung noch nicht aus. Nach I‘m about that action, boss! war Tailback Marshawn Lynch zu Beginn des Training Camp gar nicht mehr zumute. Zumindest nicht, bevor die Bezahlung stimmt. Die Forderung des schon zu den bestbezahlten Runningbacks gehörenden Veterans nach mehr Geld stieß bei den Seahawks auf wenig Begeisterung. Dementsprechend reagierten die Verantwortlichen in Renton.

Hinter Beastmode stehen Backup Robert Turbin und der vielversprechende second year  power runner Christine Michael schon in den Startlöchern. Getreu dem Motto von Head Coach Pete Carroll, dass kein Spieler unersetzbar ist. Fullback Derrick Colemann bleibt der Lead Blocker, für Rookie Kiero Small sollte ein Platz im Trainingsteam vorhanden sein. Der odd man out ist Spencer Ware, für den weder als FB noch als TB Verwendung gefunden wurde.

Am Ende dürften trotzdem alle durchgeatmet haben, als Lynch wenige Tage nach Trainingsauftait dann doch auf dem Seahawks-Gelände auftauchte. Zwar ohne neuen Vertrag, aber dafür mit ein bisschen mehr garantiertem Geld in der Tasche – wieder voll der Lust auf Action.

3
QB Russell Wilson

Wie lange diese Lust erhalten bleibt, hängt auch vom Zustand der O-Line ab. Sie ist möglicherweise das einzige ernstzunehmende Sorgenkind der Seahawks. Sprechen wir von Sorgenkindern. Zu Beginn der Preseason musste QB Russell Wilson oft um sein Leben laufen. Doch je länger die Vorbereitung andauerte, desto besser stabilisierte sich die Line.

Mit Ausnahme der RT-Position sollten alle Starter gefunden sein. LT Russell Okung, LG James Carpenter, C Max Unger und RG J.R. Sweezy sind mehr oder weniger etabliert. Rechts außen kämpfen die Rookies Justin Britt und Garry Gilliam sowie Alvin Bailey um die Nachfolge des zu den Jets abgewanderten Breno Giacomini.

Im Zusammenspiel mit Lynch wird sich die Stärke der O-Line wohl erst zu Beginn der Saison zeigen. Wie gewohnt zeigte sich dieser während der Preseason kaum auf dem Feld (3 Runs/16 Yards/1 Touchdown). O-Line hin oder her, ein fitter Marshawn Lynch sammelt seine Yards auch ohne zuverlässige Blocker regelmäßig im dreistelligen Bereich.

Sollte es beim Laufspiel doch mal klemmen, können die Seahawks in dieser Saison noch häufiger den Luftraum nutzen. Es grenzt schon fast an eine Sensation, dass WR Percy Harvin die Vorbereitung (bislang) ohne größere Blessuren oder Ausfälle absolviert hat. Er sagt, dass er in seinem Getriebe sogar Gänge gefunden hat, die er zuvor noch nicht gekannt hatte. Neben der Schnelligkeit steht Harvin für die (neue) Variabilität der Seahawks. Es gibt kaum eine Playmaker Position, auf der er nicht eingesetzt werden kann. Die Jet Sweeps aus dem Super Bowl sind nur ein Vorgeschmack auf das, was Offensive Coordinator Darrell Bevell mit Harvin anstellen wird. Neben ihm glänzen die grundsoliden pedestrians Doug Baldwin und Jermaine Kearse, zwei Normalos mit Go-To-Qualität. Zu diesen gehörten vergangene Saison auch Golden Tate und Sidney Rice. Tate wurde vom großen Geld zu den Lions nach Detroit gelockt, Rice beendete seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen. Kompensiert werden beide durch noch mehr Speed. Der diesjährige Third Round Pick Paul Richardson (Colorado) zeigte seine Schnelligkeit im Training Camp. Und der in den Special Teams gnadenlose Ricardo Lockette kann es, wenngleich selten eingesetzt, auch als Receiver. Von Phil Bates und Kevin Norwood müssen wir uns überraschen lassen. Beide waren in der Vorbereitung selten zu sehen.

Bei den Tight Ends setzt Pete Carroll auf Bewährtes. Muss er wohl, weil bei Anthony McCoy die Achillessehnen nicht mehr halten. Er wäre im größeren Stil eine Anspielstation gewesen. Zach Miller und Luke Willson fangen ein, zwei Pässe pro Spiel, doch solange die Seahawks das Laufspiel bevorzugen, wird der Fokus bei ihnen wohl auf dem Blocken liegen.

Alles in allem, die Auswahl für den in der Entscheidungsfindung weiter verbesserten Spielmacher Russell Wilson ist groß. Die Variabilität noch viel größer. Wilson spielte in der Preseason unglaublich effizient – wie ein Quarterback, der pro Spiel 40 Würfe nimmt und davon 30 an den Mann bringt. Hinter ihm kämpften der ehemalige Oakland Raider Terrelle Pryor und Tavaris Jackson, ein erfahrener Veteran, um den Backup-Job. Jackson tat in der Preseason nichts, das seiner Position als Nummer zwei schaden hätte können. Er gehört zu den solideren Backups in der Liga. Pryor darf nicht bleiben, weil er nur läuferisch überzeugte. Seine Schnelligkeit wäre ein Gewinn gewesen. Sein Wurfarm ist jedoch der schwächste, sogar hinter B.J. Daniels. Der talentierten Spielmacher ist der Mann für die Practice Squad, sollte ihn kein anderes Team schnappen.

Wenn bei Marshawn Lynch nicht die Altersschwäche kommt, Percy Harvin nach dem ersten Tackle der Saison wieder aufsteht und Russell Wilson beim Wiederholen der Erfolgsformeln das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verloren hat, dann muss die Liga bald auch vor der Offensive der Seattle Seahawks zittern.


Defense

4
CB Jeremy Lane (l.) und CB Richard Sherman

Und damit wären wir bei der gefürchteten Legion of Boom. Es schmälert die Erwartungen an die Seahawks keinesfalls, wenn man realisiert, dass diese unverändert zur vergangenen Saison auf dem Spielfeld stehen wird. Zu hoffen ist, dass die vielen Millionen Dollar in Form von neuen Verträgen FS Earl Thomas und CB Richard Sherman nicht die Füße lähmen. SS Kam „Bam“ Chancellor ist nach einer Hüftoperation auf dem Weg der Genesung und bis zum Saisonstart fit. Jeron Johnson vertrat ihn in der Preseason mit nicht weniger körperbetontem Spiel. Mauerblümchen Byron Maxwell wird auf der zweiten Cornerback-Position noch mehr Arbeit als letztes Jahr haben, sollten gegnerische Quarterbacks weiterhin den Pass in Richtung Sherman boykottieren. In der Preseason überforderte ihn das zeitweise. In der zweiten Reihe überzeugte in der Vorbereitung CB Tharold Simon. Kein Wunder, denn sein Mentor ist der beste NFL-Cornerback der vergangenen drei Jahre. An Brandon Browner, Gründungsmitglied der LOB, erinnert nicht mehr viel. Er kam schon 2013 kaum mehr zum Einsatz. Um die Nickel-Position kämpfen nach dem Abgang von Walter Thurmond Jeremy Lane und Marcus Burley, ein Trade von den Indianapolis Colts, der dort im Camp überzeugte.

In der D-Line tat sich ein bisschen mehr. Die Defensive Ends Red Bryant, Clinton McDonald und Chris Clemons mussten gehen, um Cap Space für DE Michael Bennett zu schaffen. Beide spielen jetzt in Jacksonville für den ehemaligen Seahawks-DC Gus Bradley. Neben Bennett attackieren die Defensive Tackles Tony McDaniel und Brandon Mebane. Von außen setzt DE Cliff Avril die gegnerischen QBs unter Druck. In der zweiten Reihe können sich Rookie-Koloss Cassius Marsh und Rückkehrer O’Brien Schofield berechtigte Hoffnungen auf Snaps machen. Mehr Tiefe bringt Veteran Kevin Williams, der aus Minnesota kam. Den Cut nicht überstanden hat Benson Mayowa, der in der Vorbereitung 2013 noch vielversprechend aussah, dieses Jahr aber von Marsh und Schofield überholt wurde.

Hinter der Line trifft man in der Seahawks-4:3 auf die gleichen Spieler wie 2013. MLB Bobby Wagner wird außen von Bruce Irvin (noch in der Reha nach einer Hüft-OP), K.J. Wright und Super Bowl-MVP Malcolm Smith unterstützt. Das bietet die Möglichkeit zu rotieren. Unklar ist nur, ob Wright oder Smith auf der rechten Seite die Nase vorne hat. Überrascht hat einmal mehr ein Undrafted Free Agent. Rookie Brock Coyle hat sich ins Team gefightet und könnte der neue Heath Farwell werden.

Die Kadertiefe ist es, die beeindruckt. Trotz des Verlusts von Thurmond, Bryant und Clemons sind die Seahawks defensiv exzellent aufgestellt. Ein Verdienst von General Manager John Schneider, der schon lange vor dem Titelgewinn an die Zeit nach dem Super Bowl gedacht hat.


Special Teams

2
PK Steven Hauschka

Im Gegensatz zu anderen Kickern wirkte Steven Hauschka während der Preseason recht gelangweilt und unterfordert. Die probeweise von der 15 Yard-Linie gekickten PATs lockten Hauschmoney nicht aus der Reserve. Sein 59 yard-Field Goal war ein persönlicher Rekord und zeigt, dass er weiter an der Distanz gearbeitet hat. Die überragende vergangene Saison (33-35, 94,3%) hat ihm gut getan – und auch seinem Konto (3 Jahre, 9 Mio. USD).

Punter John Ryan langweilte sich während der Preseason-Spiele, da er selten gebraucht wurde – und wenn dann als Holder. Sollte auch er sein Niveau halten, dürfen wir uns auf viele Punts knapp vor die gegnerische Endzone freuen. Und den ein oder anderen schmerzhaften Hit von Ricardo Lockette.

Schmerzen bereitet dem Seahawks-Fan der Anblick von Earl Thomas beim Punt Return. Ganz egal, wie gut er sich anstellt, es ist riskant, den wichtigsten Spieler der Defensive dafür einzusetzen. Nach dem Cut von WR Bryan Walters ist Thomas wohl erste Wahl. An dieser Stelle fehlt manchmal der wieselflinke Golden Tate. Naheliegend wäre statt Thomas Paul Richardson.

Die Frage nach dem Kick Returner beantworten die ersten zwölf Sekunden des Super Bowl XLVIII.


Ausblick

Wie eingangs erwähnt, selten ist die Offseason für einen Super Bowl-Champion so reibungslos verlaufen (abgesehen vom Lynch-Theater). Das ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur neuen NFL-Dynastie.

Die Teams in der Hammer-Division NFC West werden auch den Seahawks keine Geschenke bereiten, doch wenn die neue Variabilität in der Offensive greift, wie im Super Bowl gegen die Broncos, und wenn die Defensive an das Niveau der Titel-Saison anknüpft, dann steht Seattle erneut auf Platz eins der stärksten NFL-Division und ganz vorne in der Conference. Das bedeutet Heimvorteil in den Playoffs. Und das bedeutet, es wird laut. Und das bedeutet, der Seahawks-Gegner muss auf dem Weg nach Arizona durch die blau-grüne Hölle. Pete Carrolls Mannen haben das Zeug für den Re-Pete!

Technisch, taktisch und körperlich sind die Voraussetzungen gegeben. Viel bereiter für den Auftakt gegen Green Bay können die Seahawks nicht sein. Doch am Ende entscheidet die Psyche – der Hunger auf einen weiteren Titel – über die letzten Zentimeter im Kampf um Ball, Sack oder Tackle.


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