Maximilian Länge

Sports Journalism Student | Storyteller | American Football Addict | Travelholic

Ein großes Jahr – 3est of 20IG

16 aus 2016 hat die Süddeutsche Zeitung in der vergangenen Woche auf ihrer Website vorgestellt. Die 16 Lieblingsgeschichten der Redaktion, die im abgelaufenen Jahr am häufigsten gelesen und weiterempfohlen wurden. Die Themen dieser Artikel prägten auch mein 2016 – neben anderen Ereignissen auf privater Ebene.

2016 war ein großes Jahr für mich. „2016 was big time“, würden viele Amerikaner sagen. Oder: „2016 was huuuge.“ Im komplexen, etwas an den Haaren herbeigezogenen Zusammenhang: Big 2016. 3ig 20IG. 3×16. Jeweils drei Aspekte in 16 Kategorien. Mein persönlicher Jahresrückblick in Listen-Form:

Interviews

  • Monika Sozanska. Man nehme eine Spitzensportlerin, ein Model, eine studierte Wirtschaftlerin, eine Olympionikin, eine Migrantin, eine Fechterin und eine gebürtige Polin. Heraus kommt ein Gespräch über Integration, Duelle und den Wert Ehre.
  • Ulrich Grünwald. American Football ist eine brutale Sportart, bei der sich die Akteure Spielzug für Spielzug die Köpfe einhauen. Gehirnerschütterungen sind keine Seltenheit. Dennoch seien die Auslöser der unter Footballern verbreiteten Krankheit CTE „multifaktoriell“, so der Doc.
  • Markus Weise. Er hat die Erfolgsformel gefunden. Dreimal olympisches Gold mit den Damen und Herren der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Ein hohes Maß an Eigenverantwortung  der Spieler ist Teil dieser Formel – und Verantwortung das Oberthema des Gesprächs.

Fotos

Plays

  • Boateng-Rettungstaten. Vor lauter Gauland-Schelte wurde vergessen, dass der Träger ausgefallener Brillen nicht nur ein guter Nachbar, sondern auch seit Jahren Deutschlands bester Innenverteidiger ist – hinter einem Dauerverletzten namens Holger Badstuber.
  • Trickspielzug. Es liegt in der Natur des Trickspielzugs, dass Spieler andere Rollen als gewöhnlich annehmen. In diesem Fall wird ein Wide Receiver zum Quarterback und ein Runningback zum Wide Receiver. Zu kompliziert? Stellte auch der Gegner fest.
  • Pauschenpferd. Sportler sind keine Helden, sondern Vorbilder. Doch sie zeigen die Attribute, die wahre Helden auch vorweisen. Durchhaltevermögen, Furchtlosigkeit, Nächstenliebe, Teamgeist, Zurückhaltung, Verantwortungsbewusstsein. Heldenhaft trifft’s besser.

Wörter

  • Trumpisch. Auch: Dünnhäutig, empfindlich, nicht kritikfähig. Immer mit einer Dosis Postfaktizität kombiniert. Meist in der Kurznachrichten-Herde bei Twitter zu finden. Beleidigte Reaktion auf Statements politischer Gegner, von Nachrichtenquellen oder auch von Wildfremden.
  • Filterbubble. Das Wort, das 2016 häufig benutzt wurde, aber auch häufig einen Würgereiz hervorgerufen hat. Wir leben im Internet in Interessensblasen, die uns von Andersdenkenden abschotten. Noch ein Grund mehr für Offenheit und Rücksicht in der heutigen Zeit.
  • Mit Sicherheit. Eine seltsame Macke. Von inflationärer Verwendung in postfaktischen Zeiten wird abgeraten. Von wem kam denn bitte diese Idee, falsche Informationen mit größter Überzeugung in die Welt hinaus zu posaunen?!

Websites

  • The Players‘ Tribune. Ist Ghostwriting Journalismus? Sportler schreiben aus dem Nähkästchen – oder lassen schreiben. Das kreiert Nähe, bringt den Sport auf eine politische, wirtschaftliche, individuelle  Ebene. Und rückt den Protagonisten ins rechte Licht?
  • The Ringer. Als ESPN im Oktober 2015 „Grantland“, eine Website mit Longreads zu Sport und Popkultur, abschaltete, entstand eine Lücke, die Bill Simmons, der ehemalige Editor-in-chief, im Juli 2016 eigenständig mit The Ringer füllte.
  • Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. Es ist gut, wenn man mit der DGM noch nie persönlich in Kontakt getreten ist, denn das bedeutet, dass man nicht von einer der 8.000 – seltenen, brutalen und oft unheilbaren – Muskelkrankheiten betroffen ist. Kennen sollte man sie trotzdem.

Momentaufnahmen

  • DJS-Zusage. Die E-Mail von der Deutschen Journalistenschule kam früher als angekündigt – und somit überraschend. Sie war der Höhe- und Schlusspunkt eines Bewerbungsmarathons, den Kommilitonen auf ihren Blogs so und so beschreiben. Muss noch erwähnt werden, dass die Freude riesengroß war?
  • Edinburgh. Fringe, Military Tattoo, Edinburgh-Festival. Drei Events zur selben Zeit in einer pulsierenden Stadt. Die Chance, jeden Abend ein großes Feuerwerk zu verfolgen und tagsüber Künstlern aus aller Welt in den kleinen Straßen und auf den großen Plätzen zuzuschauen.
  • Amoklauf. München, Olympiapark, „Tollwood Sommerfestival“. Sirenen, Eilmeldungen, Anrufe. Auf dem Fahrrad eine Stadt geschockt, gelähmt, hysterisch erlebt. Im Internet Gerüchte, Krisenkommunikation und Anteilnahme. Ein Täter, 67 Einsätze, 66 Falschalarme.

Beiträge

  • Colin Kaepernick. Prominente Sportler müssten ihre Plattform noch viel öfter nutzen, um gesellschaftliche Missstände anzusprechen – in diesem Fall die Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Doch dann sollten sie auch von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen.
  • Reinheitsgebot. Seit 500 Jahren finden sich im deutschen Bier keine anderen Zutaten als Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – so zumindest die Vorgabe durchs Reinheitsgebot, das Thema meiner Bewerbungsreportage für die Deutsche Journalistenschule war.
  • 12 Fragen an… Jermaine Kearse. Interviews machen Spaß, wenn sie von Angesicht zu Angesicht stattfinden. Wenn aber eine PR-Abteilung das Fragen übernimmt und auf einen wortkargen Antworter trifft, kommt das dabei heraus.

Orte

  • Lausanne. Dort begann 2016. Beim Welthochschulsportverband FISU in einem Büro am Genfer See. Schwimmen und Beachvolleyball in der Mittagspause, Joggen und Flag Football am Abend, Skifahren am Wochenende. Arbeit und olympischer Geist sind ansteckend.
  • Tübingen. Ein letztes Mal. Die Abschlussprüfung ist der Schlusspunkt des Sportpublizistik-Bachelors, der am Ende fünf statt drei Jahre dauerte. USA-Auslandssemester, Schweiz-Auslandspraktikum, Praxissemester in München und Hamburg. Lohnenswerte Verzögerung.
  • München. Das nächste Kapitel. Ausbildung und Studium an der DJS und der LMU. Zusammenziehen und Leben in Oberschleißheim. Eine selbstbewusste Stadt: München. Eine selbstbewusste Umgebung: Journalistenschule. Zu viel Selbstbewusstsein?

Fanklub-Aktivitäten

  • #GSHMV16. Wenn sich 50 Anhänger eines American-Football-Teams aus ganz Deutschland nahe Frankfurt am Main zusammenfinden, weil sie das gleiche Lieblingsteam – die Seattle Seahawks – haben, dann  ist die Mitgliederversammlung 2016 der German Sea Hawkers e.V. ein Erfolg.
  • DGM-Interview. Horst Ganter, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V., erklärt, was jeder einzelne Mensch abgesehen von einer Spende tun kann, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Muskelkrankheiten zu schärfen.
  • 2×12=24. Aus einer Idee wurde Routine. 43 Episoden des German Sea Hawkers-Podcasts gibt es bis zum heutigen Tag. Manche qualitativ besser, manche schlechter. Aber alle mit Begeisterung  und Lerneffekt aufgenommen. Die erste Radio-Erfahrung sozusagen.

Mahlzeiten

  • Kaiserschmarrn. Österreichisches, in Bayern etabliertes Kulturgut oder misslungener Pfannkuchen? Gefragt im Oktober in der Höllentalklamm bei Garmisch-Partenkirchen.
  • Raclette. Der Inbegriff von Gemütlichkeit oder spießig? Gefragt im Dezember in Wiener Stadtteil Mordor.
  • Haggis. Innereien-Recycling-Allerlei oder Feinkost von der Insel? Gefragt im September in Symington im schottischen Kilmarnock.

Athleten

  • Doug Baldwin. Sportlich – weil kein Athlet einen so unwiderstehlichen Ausfallschritt hat wie er. Politisch – weil kein Footballer so besonnene Worte spricht wie er. Kämpferisch – weil er sich als übersehener, angezweifelter Spieler trotzdem durchgesetzt hat.
  • Kai Häfner. Von der Couch-Potato zum Matchwinner. Viele fragten sich, wieso Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson den zu der Zeit besten Feldtorschützen der Bundesliga nicht mit zur EM nach Polen genommen hatte. Als Häfner plötzlich doch spielte, fragte sich dies wohl auch der Coach.
  • Cliff Avril. Dieser Motivationsschub ist stärker als jede leistungsgebundene Geldprämie. Pro Sack (?) will der Footballer der Seattle Seahawks in Haiti ein neues Haus bauen. Spät in der Saison steht er bei 11,5. Das ist ein neuer Karriere-Bestwert. Frage nun: Werden halbe Häuser aufgerundet?

Projekte

  • Wortler. Idee: Spitzensportlern (vorzugsweise kein Fußball) eine Stimme geben und sie dem Journalismus näher bringen. Status: Pitch steht aus, Marktcheck auch, Interesse von Kooperationspartnern vorhanden.
  • Datenjournalismus. Idee: Gehaltsstrukturen im Journalismus operationalisieren, analysieren und über Geld sprechen. Status: Stets Transparenz fordernde Journalisten haben kaum Interesse, Journalistengehälter transparent zu kommunizieren.
  • Buchprojekt Werte. Idee: Protagonisten des Spitzensports zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Werten befragen. Status: Zwei Interviews zu den Werten Ehre und Verantwortung geführt, Buch im Handel erhältlich.

Texte

Zitate

  • „80 Prozent von Euch und auch ich, wir kraulen uns auch mal an den Eiern.“ Was der Verteidigung Jogi Löws galt, wurde zum Hit. Lukas Podolski trifft den Nagel auf den Kopf. Menschlichkeit muss man nicht verbergen. Wenn das verbergenswert ist, hörten wir ein Plädoyer für mehr Überwachung.
  • „Der Fußball ist in Gefahr, sich selbst zu zerfressen.“ John, der Gründer von Football Leaks, wurde so zitiert, als der Spiegel mit der European Investigative Collaboration gemeinsam die ersten Auswertungen eines riesigen Datensatzes veröffentlichte. „The Big Short“ goes Fußball.
  • „Es war eine verpasste Chance.“ Der US-Dopingfahnder Travis Tygart kritisiert IOC-Präsident Thomas Bach für seine Entscheidung, die russische Whistleblowerin Julija Stepanowa nicht in Rio starten zu lassen, Russlands Leichtathleten hingegen schon. Doping-Aufklärungsinteresse = 0.

Filme

  • Concussion. Die erschütternde Wahrheit über einen Sport, der nicht nur Körper, sondern auch Geist zerstören kann. Das Interesse an American Football bleibt, der Umgang mit der Sportart wandelt sich zum noch gewissenhafteren Konsum.
  • Willkommen bei den Hartmanns. Eine bayrische Familie, die einen Flüchtling aufnimmt. Überspitzt dargestellt, aber dennoch mit viel Wahrheit versehen. Schauspielerisch vereinzelt mit Luft nach oben. Doch die Botschaft kommt an.
  • Hell or High Water. Für die amerikanische Seele. Stolze Cowboys, ausweglose Situationen, endlose Highways. Der moderne Western für alle, die trotz Trump noch Lust auf die USA haben und sich in einem einsamen, verregneten Moment in Glasgow ins Fernweh flüchten wollen.

Reisen

  • Großbritannien im August/September. Calais – Dover – Hassocks – Brighton – London – Gloucester – Beckford – Cardiff – Bristol – Bath – Swansea – Rhossili – Brecon Beacons – Aberystwyth – Cwmllinau – Snowdonia – Liverpool – Lake District – Edinburgh – Stirling  – Dundee – Glenfinnan Viaduct – Isle of Skye – Inverness – Highlands  – Aberdeen – Glasgow – Kilmarnock – Oban – Fort William – Gardenstown – York – Kingston – Amsterdam. Regelmäßig unterbrochen durch Regen, Justin Bieber und Reifendruckabfall.
  • Speiz (!) im April. Vom weichen Schnee der Schweizer Berge am Genfer See zur kräftigen Sonne der katalanischen Küste. Drei Wintertage in Lausanne gefolgt von drei Sommertagen in Barcelona – alles in einer Woche.
  • Manchester im März. Ein Wiedersehen mit den UK Sea Hawkers gefolgt von der Erfüllung eines Kindheitstraums – dem Besuch im Theater der Träume. Leicester City spielt bei Manchester United 1:1 und die Meisterfeier wird vertagt.
  • (Unerwähnt – unvergessen: Rostock, Genf, Bern, Fribourg, Montpellier, Leipzig, Erzgebirge, Wien)

1 Kommentar

  1. Ein richtig, richtig guter Journalist!

    2016 auf der Erfolgswelle – herrliche Interviews, Artikel u.v.m. Weiter so!

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